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Neuerscheinung:  Naturerlebnis-Wandern an der Oberen Isar

lieferbar: Naturerlebnis-Wandern an der Oberen Isar

160 Seiten, alle Tourenkarten, 300 Fotos und ein Pflanzenbestimmungsheftchen zum Download auf www.isabelle-auer.de.

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Die Isar – Isara – die „Fließende“, die „Reißende“. Ungebändigt war sie lange, bevor der Mensch sie in ein enges Flussbett presste, ihre Energie nutzte, ihren Abfluss regelte, ihr die Kraft nahm. Und irgendwie nahm ihr der Mensch mit der Dynamik auch das Leben. Ein hoher Preis für einen sicheren Bauplatz in Gewässernähe. Früher, ja früher gingen die Menschen anders mit der Natur um. Sie hatten Respekt. Hielten Abstand. München wurde etwa einen Kilometer vom Isarufer entfernt auf einem älteren Talrand gegründet, Burgen weit oberhalb des Isargrundes gebaut. Doch Flüsse sind wichtige Verkehrswege. Vor der Motorisierung  waren sie es sogar noch viel mehr. Massenweise wurden auf ihnen Waren durch ganz Europa transportiert:  Baumaterialien, Nahrung, Luxusgüter. 

 

Auch die Isar war ab Mittenwald schiffbar. Lange – rund 500 Jahre – vor der Begründung der Mittenwalder Geigenbautradition im 17. Jahrhundert – war das Dorf in den Bergen nicht nur für seinen Holzhandel, sondern auch als Zwischenstation für italienische Waren – Seide, Gewürze, Kupferdraht, Weißblech etc. - bekannt. Andere Orte, beispielsweise Tölz oder München – zehrten von Isarzöllen, Schiffsrechten. Doch dazu später mehr!

 

Als die Menschen dem Fluss zu nahe kamen, wurde ihnen die Freiheitsliebe der Isar, die ihren Flusslauf nach Lust und Laune innerhalb ihres breiten Kiesbetts stetig veränderte, unsympathisch. Gleichzeitig wollten sie fortschrittlich sein und ihre Energie mit Hilfe von Flusskraftwerken nutzen. Kurz: Sie engten sie ein, bauten insgesamt acht Stauseen, Kanäle. Auf der Strecke blieb: Die Natur! Der mit insgesamt 292 Kilometern längste Alpenfluss Bayerns ist nur in seinem österreichischen Quellgebiet – im Hinterautal bei Scharnitz – auf einer Länge von knapp 30 Kilometern naturbelassen. Bereits bei Mittenwald wird die Isar erstmals kanalisiert. Schneller, als es so manchem lieb ist, durchrauscht sie dieses enge Korsett, um sich nach Mittenwald wieder in ihrem geliebten breiten Kiesbett ihren Weg nach Lust und Laune zu bahnen, bis ihr bei Krün wieder der Mensch in die Quere kommt. Diesmal in Form eines Stausees. Nach dem Stauwehr leitet ein Kanal einen Großteil des Isarwassers zum Walchenseekraftwerk hin ab, nur ein sogenanntes „Restwasser“ wird heute der Isar im folgenden Abschnitt außerhalb von Hochwassern gegönnt. Vorher - zwischen 1923 und 1990 - lag das  breite Kiesbett zwischen Wallgau und Vorderriß über 300 Tage im Jahre sogar vollständig trocken da. Ein geringer Naturschutz-Fortschritt, aber machen wir uns nichts vor: Zu wenig, um die Isar wild, lebendig sein zu lassen.   Dem Walchensee reicht sein eigenes Wasser halt nicht aus, um das dortige Kraftwerk rentabel zu halten. -  Ja, auch der Rißbach, dem wir im Laufe unserer Flussreise noch begegnen werden, muss für den Walchenseestrom noch Wasser lassen… Doch der Walchensee, die „bayerische Karibik“, kann nichts dafür!

 

Und trotz all dieser Eingriffe: Die Isar verzeiht die Taten unserer wirtschaftenden Mitmenschen. An vielen Stellen bietet sie noch heute großartige Anblicke, faszinierende Einblicke. Besonders hier – an der Oberen Isar – sind ihre Wunden nur an wenigen Stellen deutlich zu sehen. Andere wurden oberflächlich geschickt verarztet, so dass wir selbst als Naturliebhaber gewillt sind, sie auf den ersten, auf dem zweiten und häufig auch auf dem dritten Blick als „schöne Landschaft“ umzuinterpretieren.

 

Ihre natürlichen Bewohner, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer & Co bekommen die Auswirkungen des menschlichen Treibens jedoch heftig zu spüren…

 

Doch keine Angst, wir wollen niemandem die Freude an ihrem Anblick  verderben. Ganz im Gegenteil, wir wollen ihr ein Stück weit folgen, sie wild erleben, aber auch ihr Schicksal verstehen. Wir wollen sie wissend genießen. Den Fluss – und seine Landschaft, die Berge. Auf einen Berg hochzusteigen, ist ein tolles Erlebnis, gewiss. Doch wir betrachten sie auf unserer Isartal-Reise diesmal meistens von unten. Nur wer will, unternimmt eine einfachere Bergtour.  Jeder, wie er kann und mag!

 

Walter Pause, der vielleicht bekannteste deutschsprachige Bergschriftsteller des 20. Jahrhunderts, schrieb 1973 in einem Vorwort zu einem BLV-Pflanzen- und Tierbestimmungsbuch:

 

„Ein Aufstieg ins Almageller Hochtal erfüllt mich dort mit tiefer Freude: Wenn ich jene steilen Granitrampen durchsteige, über die mehrfach im Jahr Schneelawinen donnern, auf denen aber heute viele kleine magere Lärchen ihre Taufe durch die Höhensonne empfangen, wenn ich die weißen Baumleichen sehe…, dann frage ich, warum dies nicht alle Besucher dieses malträtierten Hochtals sehen? Könnten hier Bergbücher helfen? Müssten sie nicht Abertausenden die Sinne öffnen? Müsste man die Banalisierung des alpinen Wanderbetriebs nicht durch erstklassige Bergbücher aufhalten?

 

 

Mit diesem Handbuch gehen wir künftig als Wissende zwischen zehntausend Ahnungslosen. Und aus zufälligen Blicken abseits des Steiges werden immer öfter und gewisser Einblicke in das innerste Wesen des Hochgebirges. Aus Gehen und Steigen wird Schauen und Beobachten. Dann ist man ein Bergsteiger „comme il faut“ geworden. Ein Geständnis: Meine über 50jährige Existenz als Bergbummler, Bergsteiger und Skifahrer hat mir selten die Beschaulichkeit gegönnt, die Bergblumen und Bergtiere verlangen dürfen. Mein Leben verlief im Laufschritt. So kenne ich wohl Zwergheide, Alpenrose und Zwergröserl, Heidelbeere und Moosbeere, Erika, Alpenrebe, Aurikel, Edelweiß und Blaue Kugelblume, ich kenne Gams, Murmeltier, Schneehuhn und Schneehase, Dachln, Bussard und Sperber, Feuersalamander und Landmolch. Alles habe ich mit Augen und Herz gesehen – aber all dies ist ein beschämendes Nichts. Man müsste das Zehnfache wissen, genießen können.“

 

(Walter Pause (1973): Bergsteigen als Abenteuer. In: Th. Schauer/C. Caspari: BLV Bestimmungsbuch Alpenpflanzen – Alpentiere.)

 

Wissend genießen! Darin besteht auch die Kunst. Es geht nicht nur um das bloße Aufzählen von Pflanzennamen, es geht um die Fähigkeit zu beobachten, innezuhalten, Zusammenhänge zu verstehen. Der „erhobene Zeigefinger“ wirkt abschreckend, ein die Wahrheit verschleierndes Lob der Schönheit der Landschaft wäre Heuchelei und die vielzitierte „Einladung“ für diejenigen, die die Natur nur nach ihrem monitären Wert beurteilen und sie daher verschandeln, Lebensräume zerstören: „Nach mir die Sintflut“ – Entweder in Form eines kanalisierten Flusses oder übertragen – in Form des Artensterbens….Doch halt! Unsere Waage, die das Gleichgewicht zwischen Landschaftsgenuss und Naturinformation anzeigen soll, schlägt wieder unbequem in die eine negative Richtung aus! Zurück zum Positiven!

 

Die Obere Isar hat jedem etwas zu bieten: dem Spaziergänger ebenso, wie dem ausdauernden Wanderer, demjenigen, der die Berge lieber vom Tal aus genießt (was auch hin und wieder vernünftiger ist), dem Bergwanderer, dem Mountainbiker und natürlich dem Bergsteiger, denn letzterer ist ja auch flexibel, tolerant und hin und wieder ist es ja auch schön, seine bereits erklommene oder zukünftige Gipfel von unten zu betrachten.

 

Und überhaupt: Wir Menschen schauen eh lieber nach oben und übersehen das Kleine. Und das, was wir nur durch geduldiges Beobachten erspähen können, übersehen wir nur allzuleicht. Wobei, vielleicht ist das manchmal auch gut so! Man stelle sich vor: Jeder von uns würde  – vielleicht sogar in einem Tarnzelt – auf den Kiesbänken der Isar  stundenlang einem Flussläuferpaar beim Füttern seiner Jungen zuschauen….Nein, dafür gibt es ja - Gott sei Dank - das Fernsehen und seine erfahrenen Filmemacher. Und naturverträglicher ist in diesem Falle die „virtuelle Naturbegegnung“ auch! 

 

Bei unserer Arbeit durften wir die Obere Isar intensiv erleben, sie wurde uns vertraut, wie eine alte Freundin. Lassen Sie sich mitnehmen  durch dieses Buch und – wie wir hoffen - auch in der Realität! Die Isar ist es wert! Ganz bestimmt!