DIE IDEE

Es ist die Summe von scheinbaren Zufälligkeiten, die mich daran zweifeln lassen, dass alles nur Zufall war. Vielleicht sollte ja alles so geschehen - die vielen kleinen Begegnungen - damit dieses Walter Pause – Buch nicht wegen Überalterung verloren geht. Obwohl er bereits 1988 starb, ist der Bergschriftsteller Walter Pause noch heute vielen Natursportfreunden als Verfasser des wohl bekanntesten Tourenbuchs über die „Münchner Hausberge“ ein Begriff. Vielleicht, da ich selbst in Baden-Württemberg aufgewachsen bin, lernte ich selbst seine Bücher erst ab 2007 kennen, dem Jahr, in dem ich zufällig und ohne zu ahnen, wie vertraut mir Walter Pause einmal sein würde, einen ganzseitigen Artikel aus der „Süddeutschen Zeitung“ zum 100. Geburtstag Pauses ausschnitt. „Pause“ – den Namen kannte ich damals nur aus dem Fernsehen: 2005 durfte ich im Rahmen eines Naturparkpraktikums drei Tage lang für die BR-Sendung „freizeitMAGAZIN“ vor der Kamera stehen. Nicht nur die mir damals noch völlig fremde Welt der Filmemacherei faszinierte mich auf Anhieb. Ich merkte, dass das, was das „freizeitMAGAZIN“ und vor allem die dazu im wöchentlichen Wechsel ausgestrahlte Bergsteigersendung „Bergauf-Bergab“ zeigten, - dass die Philosophie beider Sendungen - mir einfach gut tat, mich anspornte es ihnen gleich zu tun.

 

Walter Pause – Bergschriftsteller und Naturschützer

 

Aus heutiger Sicht durch einen Zufall wurde ich im März 2008 Arbergebietsbetreuerin – ein Job, den man eigentlich nicht lernen kann, sondern für den man Vorbilder braucht, wie – natürlich in Form seiner Schriften und Bücher - Walter Pause und die Redaktion „Freizeit/Bergauf-Bergab“, also Michael Pause und sein Team. Nennen wir es daher lieber „Glück“, dass ich für die Konzeption einer Arberausstellung die beiden Bergexperten Jürgen Eichinger und Michael Pause interviewen durfte. Bei unserer ersten gemeinsamen Bergwanderung meinte Micki, wie ihn seine Freunde nennen, zu mir: „Eigentlich haben wir den gleichen Job.“ Was er damit meinte, verstand ich erst nach und nach, nicht nur durch seine Sendung, sondern vor allem durch die Bücher und Schriften seines Vaters: Walter Pause war nicht nur ein engagierter Naturschützer, sondern auch weitsichtig, sah Dinge voraus – sowohl in den Alpen als auch im Bayerischen Wald, die heute aktueller denn je sind.

Walter Pause konnte faszinieren, Stimmungen erfassen. Der Journalist Rainer Stefan brachte es im bereits erwähnten SZ-Artikel auf den Punkt: Walter Pause „konnte, was einen großen Autor ausmacht: Zehntausendmal gesehen und eben darum kaum noch wahrgenommene Dinge jene Sprache verleihen, die sie ganz nah heranrücken lässt an unsere Sinne, unsere Seelen und, nicht zuletzt an unsere Köpfe.“

 

Machen wir nun einen Sprung ins Frühjahr 2014. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in meinen eigenen Texten über den Bayerischen Wald Walter Pause und Werner Heiss öfters zitiert, doch ich wusste, dass diese Zitate nicht verhindern könnten, dass das Pause’sche/Heiss'sche Bayerwaldbuch irgendwann einmal endgültig vergessen sein würde.

 

Michael Pause und seiner Redaktion "Freizeit/Bergauf-Bergab" einfach mal „Dankeschön“ sagen…

 

Und irgendwie wollte ich meinem Vorbild Michael Pause, der längst zu meinen allerbesten Freunden gehörte, auch „Dankeschön“ sagen – nicht nur für das, was seine Sendungen mir persönlich geholfen hatten, sondern auch im Namen der rund 500.000 Zuschauer, die jede einzelne Bergauf-Bergab-Sendung hat…Als ich Michael Pause fragte, ob ich das Buch aktualisieren darf und er sofort begeistert zustimmte, wussten wir nur, dass mir eine sportliche Höchstleistung – das Ablaufen von 80 – teils rund 20 km langen – Wanderrouten bevorstehen würde. Dem trockenen Badewetter-Sommer 2015 und meinem neugewonnenen Freiberuflerdasein sei Dank konnte ich diese Recherchearbeiten innerhalb weniger Monate erledigen. Viel spannender als meine Entdeckungsreisen im Bayerischen Wald, auf denen ich viele Natur- und Kulturschätze kennenlernen durfte, die ich vorher nur vom Hörensagen – oder gar nicht - kannte, war eine ganz andere, quasi eine „psychologische Reise“: Um meine Aktualisierungen nahtlos mit  den Urtexten von Walter Pause und Werner Heiss verbinden zu können, musste ich mich in sie hineindenken, ja sogar voll und ganz einfühlen. Oft glich dieses Versinken in ihre Welt einer Art von Meditation, wurde so zum Heilmittel gegen meine FSME-Erkrankung.

 

Nicht nur mir geht’s so: Ein Bergauf-Bergab-Zuschauer meinte einmal zu Michael Pause: „Das, was Ihr da macht, tut einfach meiner Seele gut.“ Es ist – neben aller bergsteigerischer und filmemacherischer Professionalität – authentisch. Es ist echt. Gerade das, wonach viele Leute suchen. Früher oder später. Michael Pauses Team nimmt uns Zuschauer mit auf Tour. Selbst weniger sportliche Gelegenheitswanderer, Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nur kleinere Spaziergänge machen können, Nicht-Skifahrer etc. spüren – ja zehren selbst – von der Freude, die die Protagonisten vor und hinter der Kamera erleben.

 

Genau das will auch unser Gemeinschaftswerk: In der Tradition der „Münchner Hausberge“ seine Leser „an die Hand“ nehmen, Einblicke in den Bayerischen Wald geben, in seine Natur und in seine Menschen…

 

Lassen Sie sich an die Hand nehmen, folgen Sie unseren Spuren. – Im Kopf und natürlich auch in der Realität. Es lohnt sich!

 

Dr. Isabelle Auer